Seit dem Jahr 2020 steht die deutsche Wirtschaft unter erheblichem Druck. Pandemie, geopolitische Konflikte und eine konfrontative US-Handelspolitik haben ihre Spuren hinterlassen. Eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kommt zu dem Ergebnis, dass das wirtschaftliche Leistungsniveau bis heute kaum über dem Stand von 2019 liegt. Gerade in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld kann Deutschland jedoch mit Verlässlichkeit und Stabilität überzeugen.
Infolge der aufeinanderfolgenden Krisen hat Deutschland seit 2020 einen gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungsverlust von rund 940 Milliarden Euro verzeichnet. Umgerechnet entspricht dies einem Ausfall von mehr als 20.000 Euro je erwerbstätiger Person. Damit ging etwa ein Fünftel der durchschnittlichen jährlichen Wirtschaftsleistung pro Beschäftigtem verloren. Besonders ins Gewicht fällt dabei das Jahr 2025, auf das rund ein Viertel des gesamten Schadens entfällt.
Vom Pandemieeinbruch zum Kriegsschock
Seit Beginn der 2020er-Jahre reiht sich eine Krise an die nächste:
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Bereits im ersten Jahr der Corona-Pandemie summierte sich der wirtschaftliche Verlust auf etwa 185 Milliarden Euro. Bis zum Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine stiegen die überwiegend pandemiebedingten Einbußen auf nahezu 300 Milliarden Euro.
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Ab 2022 traten die wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges zunehmend in den Vordergrund. Explodierende Energiepreise und anhaltende geopolitische Unsicherheiten bremsten die Konjunktur deutlich. Allein 2022 belief sich der Verlust auf rund 85 Milliarden Euro. In den beiden darauffolgenden Jahren lag die Wirtschaftsleistung um etwa 140 beziehungsweise 200 Milliarden Euro unter dem möglichen Niveau.
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Noch bevor sich die Wirtschaft von Pandemie und Krieg erholen konnte, kam Ende 2024 ein weiterer Belastungsfaktor hinzu: die erneute Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Nach seinem Amtsantritt setzte er zügig Zölle durch und setzte handelspolitische Drohungen um. Das führte 2025 zu einem zusätzlichen Wertschöpfungsverlust von rund 235 Milliarden Euro – dem höchsten Einzelwert im gesamten Krisenzeitraum.
Handelspolitik als Risiko und Chance
Derzeit gibt es kaum Anzeichen für eine schnelle Entspannung der internationalen Handelskonflikte. Gleichzeitig eröffnen sich daraus neue Perspektiven. Nach Einschätzung des IW bleibt Deutschland mit seinem verlässlichen Rechtsstaat, stabilen Institutionen und einer gut qualifizierten Bevölkerung auch in unsicheren Zeiten wettbewerbsfähig. Dennoch stellen der geopolitische Wandel und die Energiewende Wirtschaft und Gesellschaft vor erhebliche Aufgaben. Um langfristig wieder an wirtschaftliche Stärke anzuknüpfen, sind strukturelle Reformen notwendig. Dazu zählen insbesondere die Senkung hoher Energiepreise, die Begrenzung steigender Sozialabgaben und ein wirksamer Abbau bürokratischer Hürden.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Institut der deutschen Wirtschaft/Veröffentlicht am 07.02.2026