Fachkräftemangel lässt nach – mit Ausnahmen

Der Anteil der Unternehmen in Deutschland, die ihre Geschäftstätigkeit aufgrund fehlenden Personals einschränken müssen, ist weiter gesunken. Aktuell berichten 25,8 Prozent von entsprechenden Problemen. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei knapp 32 Prozent, im Sommer 2022 sogar bei nahezu der Hälfte aller Betriebe. Trotz dieser Entwicklung benötigen viele Unternehmen weiterhin ungewöhnlich lange, um offene Stellen zu besetzen.

Der Rückgang ist allerdings weniger auf eine Entspannung am Arbeitsmarkt zurückzuführen, sondern vielmehr auf die anhaltend schwache wirtschaftliche Lage. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt in der Industrie, wo Produktions- und Nachfrageeinbrüche am stärksten ausgeprägt sind. In diesem Bereich meldeten zuletzt 17,1 Prozent der Unternehmen Einschränkungen durch fehlendes Personal.

Die Daten stammen aus dem KfW-ifo-Fachkräftebarometer, das auf den regelmäßigen Konjunkturumfragen des ifo Instituts basiert. Pro Quartal werden rund 9.000 Unternehmen befragt, darunter etwa 7.500 mittelständische Betriebe.

Weiterhin stark betroffen ist der Dienstleistungssektor. Hier geben 30,2 Prozent der Unternehmen an, Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung zu haben. Auch in dieser Branche ist jedoch ein Rückgang zu beobachten. In der Gastronomie sank der Anteil der betroffenen Betriebe von rund 40 Prozent im Frühjahr auf 26,7 Prozent im Oktober.

Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich im Bauhauptgewerbe. Dort ist der Fachkräftemangel zuletzt wieder gestiegen. 31,6 Prozent der Unternehmen berichteten von Produktionseinschränkungen aufgrund fehlender Arbeitskräfte, nachdem es im Frühjahr noch 27,3 Prozent gewesen waren. Dies deutet darauf hin, dass die Bautätigkeit in der zweiten Jahreshälfte angezogen hat.

Trotz der aktuellen Entlastung in vielen Branchen bleibt das strukturelle Problem bestehen. Der demografische Wandel sorgt weiterhin dafür, dass zahlreiche Unternehmen langfristig Personal suchen. Das spiegelt sich auch in den Vakanzzeiten wider: Im Oktober wurde mit durchschnittlich 161 Tagen ein neuer Höchstwert erreicht, bis offene Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit wieder abgemeldet wurden. Im Jahr 2010 lag dieser Zeitraum noch bei lediglich 56 Tagen.

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Der Chefvolkswirt der KfW, Dr. Dirk Schumacher, geht davon aus, dass sich die wirtschaftliche Dynamik im kommenden Jahr erhöhen wird. In diesem Fall sei erneut mit einer Verschärfung des Fachkräftemangels zu rechnen. Aus seiner Sicht bleibe es daher eine zentrale politische Aufgabe, die Erwerbsbeteiligung zu steigern und qualifizierte Zuwanderung zu ermöglichen.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von KfW/Veröffentlicht am 19.11.2025