Künstliche Intelligenz und Robotik werden für Unternehmen immer wichtiger. Dennoch bleiben menschliche Fähigkeiten nach Einschätzung erfahrener Interim Manager der entscheidende Faktor für wirtschaftlichen Erfolg. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftsreport 2026 der Management-Community United Interim.
Für die Studie wurden 550 Interim Manager befragt. 15 Experten aus dem Interim Management wirkten an der Ausarbeitung mit. Studienleiter Dr. Harald Schönfeld ordnet die Ergebnisse so ein, dass KI-Systeme und Roboter zwar unverzichtbar für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit werden, am Ende jedoch weiterhin der Mensch über Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen entscheide.
HR gewinnt durch KI an Bedeutung
Nach Einschätzung des auf Human Resources spezialisierten Interim Managers Paul Stricker verringert KI nicht die Bedeutung des Personalwesens. Vielmehr werde HR im Unternehmen künftig noch wichtiger.
78 Prozent der befragten Interim Manager gehen davon aus, dass Unternehmen ihre HR-Abteilungen stärker in die Geschäftsstrategie einbinden werden. Noch deutlicher fällt die Einschätzung zur strategischen Bedeutung aus: 85 Prozent erwarten, dass die HR-Strategie einen wachsenden Einfluss auf den gesamten Unternehmenserfolg haben wird.
Eine zentrale Aufgabe wird dabei die Vermittlung der Unternehmenskultur sein. 79 Prozent der Befragten sehen darin ein wichtiges Handlungsfeld für HR. Unternehmenskultur gilt demnach nicht mehr nur als weicher Faktor, sondern zunehmend als wirtschaftlich relevanter Steuerungshebel. Sie beeinflusst nach Einschätzung der Experten Produktivität, Mitarbeiterbindung und Veränderungsfähigkeit von Organisationen.
KI soll ergänzen, nicht ersetzen
47 Prozent der befragten Interim Manager sind überzeugt, dass Künstliche Intelligenz künftig eine Schlüsselrolle spielen wird. Entscheidend ist dabei jedoch die Funktion der Technologie: KI soll die Arbeit ergänzen, Produktivität steigern und Qualifizierung unterstützen, aber Menschen nicht ersetzen.
Nach Einschätzung von Paul Stricker wird HR in Zukunft digitaler und dynamischer arbeiten. 88 Prozent der Befragten teilen diese Einschätzung. Auch Agilität und Resilienz gewinnen an Bedeutung. 82 Prozent sehen die stärkere Vermittlung dieser Kompetenzen als wichtige Aufgabe.
Zudem erwarten 49 Prozent, dass die sogenannte Employer Experience wichtiger wird. Gemeint ist damit die Gesamtheit der Erfahrungen, die Mitarbeitende während ihres gesamten Arbeitsverhältnisses mit einem Unternehmen machen, von der Bewerbung bis zum Austritt.
Talentmanagement wird geschäftskritisch
Angesichts des Fachkräftemangels rückt Talentmanagement stark in den Fokus. 44 Prozent der Befragten halten es für sehr wichtig, weitere 41 Prozent für wichtig. Für Dr. Sven Mues zeigt diese breite Zustimmung, dass Talentmanagement längst nicht mehr nur ein Thema der Personalabteilung ist. Vielmehr werde es zu einem geschäftskritischen Faktor für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.
Als besonders wirksame Maßnahme gegen den Fachkräftemangel nennen 81 Prozent der Führungskräfte die Qualifizierung am Arbeitsplatz. Unternehmen sollten demnach nicht nur auf den externen Arbeitsmarkt schauen, sondern stärker die Potenziale ihrer vorhandenen Beschäftigten nutzen.
Eckhart Hilgenstock sieht den wirksamsten Hebel gegen den Fachkräftemangel im eigenen Unternehmen. Beschäftigte sollten durch gezielte Entwicklungsmöglichkeiten gefördert werden, wovon sowohl sie selbst als auch die Unternehmen profitieren könnten.
Weiterbildung und Wissenstransfer bleiben zentral
Upskilling, also die gezielte Weiterbildung von Mitarbeitenden für neue technologische und berufliche Anforderungen, spielt eine wichtige Rolle. Es soll Beschäftigungsfähigkeit langfristig sichern und Unternehmen helfen, sich an neue Marktbedingungen anzupassen.
Als weitere wichtige Maßnahme nennen die Befragten den Wissenstransfer zwischen älteren und jüngeren Beschäftigten. Besonders das Know-how der Babyboomer soll erhalten bleiben, bevor diese aus dem Berufsleben ausscheiden.
38 Prozent der Interim Manager berichten zudem von sehr guten Erfahrungen mit Reverse Mentoring. Dabei bringen jüngere Beschäftigte älteren Kolleginnen und Kollegen neues Wissen zu Technologien wie KI näher. Wissenstransfer wird damit nicht mehr als Einbahnstraße verstanden, sondern als Austausch zwischen den Generationen.
Längere Lebensarbeitszeiten und mehr Frauen-Power
57 Prozent der befragten Führungskräfte sprechen sich für längere Lebensarbeitszeiten aus. Wer freiwillig über die Altersgrenze hinaus arbeiten wolle, solle nach ihrer Einschätzung nicht ausgebremst werden. Stattdessen brauche es flexible Modelle und echte Anreize.
Christian Jung verweist in diesem Zusammenhang auf Prognosen der OECD, wonach die Zahl der Menschen im Erwerbsalter in Deutschland in den kommenden 40 Jahren um 23 Prozent sinken soll. Roland Streibich sieht deshalb in mehr Altersflexibilität nicht nur ein soziales Entgegenkommen, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Auch die Potenziale von Frauen werden nach Ansicht vieler Interim Manager noch nicht ausreichend genutzt. 70 Prozent erleben in ihren Einsätzen immer wieder, dass Unternehmen weibliche Talente nicht voll ausschöpfen. Jane Enny van Lambalgen bewertet dies als strukturelles Problem, das sich Unternehmen nicht länger leisten sollten.
Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit empfehlen 40 Prozent der Befragten. Das soll unter anderem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern und auch den Anforderungen älterer Beschäftigter besser gerecht werden.
Jüngere Generationen digital erreichen
Um jüngere Menschen für Unternehmen zu gewinnen, raten 45 Prozent der Befragten zu einer gezielten Ansprache der Generationen X, Y und Z. Besonders wichtig sind dabei digitale Kanäle wie TikTok, Instagram oder KI-gestützte Chatbots.
Dr. Andreas Vieweg beobachtet, dass junge Menschen ihre Jobsuche heute weitgehend digital organisieren und soziale Netzwerke gezielt nutzen. Ulrich Schmidt sieht klare Vorteile für Unternehmen, die Social Media und KI-basierte Interaktion im Recruiting einsetzen, weil sie ihre Reichweite in dieser Zielgruppe erhöhen können.
Die Umfrage zeigt, dass Unternehmen die junge Generation am besten über Instagram erreichen können. 42 Prozent der Befragten nennen diese Plattform, gefolgt von TikTok mit 38 Prozent und WhatsApp mit 33 Prozent.
Wer Interesse zeigt, erwartet häufig schnelle Reaktionen. 35 Prozent sehen einen Live-Chat als wichtig an, 33 Prozent einen KI-Bot. Klassisches E-Mail-Marketing spielt dagegen mit 21 Prozent Zustimmung eine deutlich geringere Rolle.
Christian Florschütz verweist darauf, dass junge Menschen im Schnitt mehr als drei Stunden täglich am Smartphone verbringen und soziale Netzwerke regelmäßig nutzen. Unternehmen müssten deshalb dort präsent sein, wo Kommunikation schnell, mobil und dialogorientiert stattfindet. Wer im Bewerbungsprozess erst nach Tagen reagiere, könne Talente schon vor dem ersten Gespräch verlieren.
KI und Robotik sollen Routineaufgaben übernehmen
Fast zwei Drittel der befragten Interim Manager sehen auch den verstärkten Einsatz von Maschinen als wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel. 65 Prozent empfehlen KI und Robotik für Routinetätigkeiten, damit Beschäftigte entlastet werden.
Klaus-Peter Stöppler betont, die eigentliche Herausforderung liege darin, Menschen und Maschinen sinnvoll miteinander zu kombinieren, statt sie gegeneinander auszuspielen.
58 Prozent der Befragten halten es für wichtig, KI-Kompetenzen stärker zu vermitteln. 85 Prozent empfehlen, die Nutzung von KI insgesamt zu intensivieren. Für 46 Prozent ist dies besonders dringlich.
Homeoffice wird skeptisch bewertet
Beim Thema Homeoffice zeigen sich die Praxisexperten zurückhaltend. Nur 18 Prozent sprechen sich in diesem Zusammenhang für mehr Arbeit von zu Hause aus. 54 Prozent lehnen eine weitere Verbreitung der Bildschirmarbeit im Homeoffice ausdrücklich ab.
Paul Stricker sieht die Gefahr, dass Unternehmenskultur, Erfahrungsaustausch und Inspiration leiden, wenn Beschäftigte nicht regelmäßig persönlich zusammenkommen. Gleichzeitig geht es den Befragten nicht um eine Absage an Digitalisierung. 47 Prozent sind überzeugt, dass Unternehmen digitaler werden müssen, allerdings zur Unterstützung menschlicher Fähigkeiten und nicht als Ersatz.
81 Prozent empfehlen, interne Potenziale besser zu nutzen. Das soll sowohl durch KI als auch durch Weiterbildung geschehen. 73 Prozent halten es außerdem für besonders wichtig, Mitarbeitende langfristig im Unternehmen zu halten.
Ausland und ältere Beschäftigte als Fachkräftepotenzial
44 Prozent der Befragten raten Unternehmen, stärker im Ausland nach Fachkräften zu suchen. Friedhelm Best sieht besonders in asiatischen Ländern ein großes Reservoir qualifizierter Arbeitskräfte, das europäische Unternehmen intensiver nutzen könnten.
Auch Menschen über 60 geraten stärker in den Blick. Jan Beutnagel beobachtet vor allem im Mittelstand eine wachsende Akzeptanz älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, weil nicht genügend jüngere Fachkräfte verfügbar sind.
61 Prozent seiner befragten Kollegen stimmen dieser Einschätzung uneingeschränkt zu. In Konzernen ist der Trend weniger stark ausgeprägt, sagen 37 Prozent der Interim Manager. Beutnagel sieht darin ein Zeichen dafür, dass Erfahrung neben Technologie zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor wird.
Empathische Führung ist besonders gefragt
Die Studie beschäftigt sich auch mit modernen Führungsstilen. In einer Zeit rasanter technologischer Veränderungen, angespannter Arbeitsmärkte, unsicherer Lieferketten und zunehmender Automatisierung halten 65 Prozent der Interim Manager empathische Führung für besonders wichtig.
Der passende Führungsstil hängt nach Einschätzung der Befragten jedoch stark vom Unternehmen und der jeweiligen Situation ab. Dr. Andreas Vieweg beschreibt Führung in diesem Umfeld als Balanceakt zwischen Technologie und Menschlichkeit. Ohne Vertrauen und Verständnis könne selbst eine moderne Organisation scheitern.
57 Prozent der Befragten empfehlen transformative Führung. Dieser Ansatz setzt auf Motivation, Veränderungsbereitschaft und frühzeitige Vorbereitung der Mitarbeitenden auf neue Anforderungen.
51 Prozent sprechen sich für situative Führung aus, bei der sich Führungskräfte flexibel an Mitarbeitende, Aufgaben und Situationen anpassen. Agile Leadership nennen 39 Prozent als besonders wichtig. Dieser Führungsansatz betont Flexibilität, schnelle Anpassung und iterative Entscheidungen. 29 Prozent setzen auf Servant Leadership, bei dem Führung als dienende Rolle verstanden wird und die Bedürfnisse der Mitarbeitenden stärker im Mittelpunkt stehen.
Dr. Sven Mues sieht moderne Führung als hybrides Modell. Durch die Verbindung verschiedener Führungsansätze könne ein flexibles System entstehen, das zugleich Stabilität und Wandel ermögliche.
VUCA, BANI und PUMA als Orientierungsmodelle
Angesichts globaler Unsicherheiten empfehlen 22 Prozent der Interim Manager eine Orientierung am VUCA-Modell. Es beschreibt eine Welt, die von Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit geprägt ist.
12 Prozent raten zum BANI-Modell, das brüchige, angstbesetzte, nichtlineare und schwer verständliche Entwicklungen in den Blick nimmt. Ebenso viele nennen PUMA mit den Dimensionen Sinnorientierung, Verständnis, Meisterschaft und Agilität.
Dr. Harald Schönfeld sieht darin eine Entwicklung von der Beschreibung äußerer Rahmenbedingungen hin zu einer Führungsantwort. Während VUCA die Umwelt beschreibe und BANI deren Fragilität sowie emotionale Dimension sichtbar mache, formuliere PUMA die notwendige Antwort: Führung müsse Sinn stiften, Orientierung geben, Kompetenzen aufbauen und anpassungsfähig bleiben.
21 Prozent der Befragten halten außerdem Management anhand von Kennzahlen für sinnvoll. Dabei werden Leistungsindikatoren, sogenannte Key Performance Indicators, zur Steuerung genutzt.
Interim Management bleibt stark gefragt
97 Prozent der befragten Führungskräfte auf Zeit bewerten den Einsatz von Interim Managern unabhängig vom jeweiligen Führungsstil positiv. 76 Prozent halten Fractional Management für besonders empfehlenswert.
Fractional Management bezeichnet den Einsatz erfahrener Führungskräfte in Teilzeit oder auf Mandatsbasis. Unternehmen können dadurch auf Topmanagement-Kompetenz zugreifen, ohne eine Vollzeitstelle finanzieren zu müssen.
64 Prozent der Befragten stehen Instant Management offen gegenüber. Dabei werden erfahrene Führungskräfte kurzfristig eingesetzt, um akute Unternehmensprobleme ohne lange Einarbeitungszeit zu lösen.
Ulvi Aydin hebt hervor, dass Interim Manager vom ersten Tag an messbare Ergebnisse liefern sollen. Dr. Harald Schönfeld ergänzt, ihre Stärke liege darin, schnell Wirkung zu entfalten, komplexe Situationen zu stabilisieren und zugleich nachhaltige Verbesserungen anzustoßen.
KI als Co-Pilot im Management
Ein auffälliges Ergebnis der Studie betrifft die Einschätzung fest angestellter Führungskräfte. Viele Interim Manager berichten, dass sie in Unternehmen immer wieder auf Führungskräfte träfen, die vor allem Präsentationen produzierten, aber wenig konkrete Ergebnisse erzielten. 42 Prozent schätzen, dass dieser Typus teilweise mindestens die Hälfte der Führungsriege ausmachen kann. 35 Prozent gehen davon aus, dass etwa 30 Prozent der fest angestellten Führungskräfte diesem Muster entsprechen.
Ulvi Aydin sieht deshalb Fälle, in denen KI möglicherweise bessere Ergebnisse liefern könnte als einzelne menschliche Führungskräfte.
Tatsächlich halten 92 Prozent der Befragten AI-added Management für ein zukunftsfähiges Konzept. Gemeint ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz als Ergänzung von Führungsentscheidungen. KI kann Daten analysieren, Prognosen liefern und Prozesse optimieren, damit Managemententscheidungen schneller, fundierter und effizienter getroffen werden.
Eckhart Hilgenstock erwartet, dass KI als Co-Pilot im Management künftig selbstverständlich wird. Klaus-Peter Stöppler empfiehlt Aufsichtsräten und Beiräten bereits heute, Entscheidungen von Vorständen und Geschäftsführungen mithilfe von KI überprüfen zu lassen.
Ulf Camehn betont, KI sei nicht dafür gedacht, Mitarbeitende abzubauen oder Führung zu ersetzen. Ihr Mehrwert liege vielmehr darin, Managemententscheidungen mit besseren Daten, verlässlicheren Prognosen sowie einer früheren Erkennung von Risiken und Chancen zu unterstützen.
United Interim als Plattform für Interim Management
United Interim versteht sich als führende digitale Plattform und Ökosystem für Interim Management in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Plattform macht qualitätsgeprüfte Interim Manager sichtbar, unterstützt deren professionelle Selbstvermarktung und bietet Unternehmen sowie Providern direkten Zugang zu passenden Interim-Lösungen.
Als offene Online-Community und kuratierter Pool erreicht United Interim mehr als 12.000 Führungskräfte auf Zeit in der DACH-Region. Einige der erfahrensten Interim Manager aus diesem Netzwerk haben gemeinsam mit United Interim die Studie zur Lage und Zukunft der deutschen Wirtschaft erarbeitet.
Die Studienleitung liegt bei Dr. Harald Schönfeld und Jürgen Becker, den Gründern und Geschäftsführern von United Interim. Die Befragten gelten als besonders erfahrene Managementpraktiker, weil sie in wechselnden Unternehmen komplexe Herausforderungen übernehmen. Anders als klassische Berater entwickeln Interim Manager nicht nur Konzepte, sondern verantworten deren Umsetzung über einen definierten Zeitraum direkt im Unternehmen.
Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von UNITEDINTERIM/Veröffentlicht am 14.07.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.