Krankenstand im EU-Vergleich: Deutschland im Mittelfeld

Deutschland wird häufig als „kranker Mann Europas“ bezeichnet. Eine aktuelle Auswertung des ifb – Institut zur Fortbildung von Betriebsräten gemeinsam mit dem Datenstudio DataPulse Research setzt die deutschen Krankheitszahlen erstmals in einen europäischen Vergleich.

Die Analyse zeigt, dass Deutschland auf Basis harmonisierter OECD-Daten bei den Fehlzeiten im oberen Mittelfeld liegt. Unter 25 untersuchten Ländern belegt es gemeinsam mit Belgien den siebten Rang. Länder wie Norwegen, Finnland, Spanien, Slowenien, Portugal und Frankreich weisen höhere Werte auf.

Mit durchschnittlich 3,6 Wochen krankheitsbedingter Abwesenheit pro Jahr liegen Beschäftigte in Deutschland zwar über dem europäischen Mittelwert von 2,6 Wochen. Allerdings handelt es sich nicht um eine Ausnahmeposition. In Finnland summieren sich die Fehlzeiten auf etwa fünf Wochen jährlich, in Norwegen sogar auf nahezu sechs Wochen.

Für die Untersuchung wurden harmonisierte Arbeitskräfteerhebungen der OECD herangezogen. Dabei werden Beschäftigte direkt zu ihren Fehlzeiten befragt. Aufgrund der erheblichen Unterschiede bei nationalen Meldesystemen gilt dieses Verfahren als besonders geeignet für internationale Vergleiche.

Kein Zusammenhang zwischen Karenztagen und Fehlzeiten

In der politischen Diskussion werden unbezahlte Krankheitstage häufig als Instrument zur Senkung von Fehlzeiten genannt. Die europäische Datenlage zeigt jedoch keinen klaren Zusammenhang zwischen finanziellen Einbußen und geringeren Krankmeldungen.

So sieht die Regelung in Portugal vor, dass die ersten drei Krankheitstage unbezahlt bleiben und anschließend lediglich ein Teil des Gehalts gezahlt wird. Dennoch liegt die durchschnittliche Krankenzeit dort mit 4,1 Wochen über dem deutschen Wert. In Litauen hingegen wird ab dem ersten Krankheitstag das volle Gehalt gezahlt, während die Fehlzeiten mit durchschnittlich 1,5 Wochen deutlich niedriger ausfallen.

Auch die telefonische Krankschreibung, die häufig als möglicher Missbrauchsfaktor diskutiert wird, spielt laut Daten nur eine untergeordnete Rolle und macht einen sehr kleinen Anteil aller Krankmeldungen aus.

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Ursachen für steigende Fehlzeiten

Die Analyse zeigt, dass klassische Erkrankungen seit Jahren relativ konstante Fehlzeiten verursachen. Der Anstieg insgesamt lässt sich vor allem auf drei Entwicklungen zurückführen:

  • Psychische Erkrankungen haben stark zugenommen. Rund jeder achte Krankheitstag entfällt darauf, wobei die Fehlzeiten in diesem Bereich seit 2014 deutlich gestiegen sind.

  • Atemwegserkrankungen liegen seit der Pandemie auf einem dauerhaft höheren Niveau.

  • Langzeiterkrankungen haben einen besonders großen Einfluss: Ein kleiner Anteil der Beschäftigten mit langen Krankheitsphasen verursacht mehr als die Hälfte aller Fehltage.

Produktivität bleibt hoch

Ein hoher Krankenstand bedeutet nicht automatisch eine schwache Wirtschaftsleistung. Länder mit vielen Fehlzeiten können gleichzeitig eine hohe Produktivität aufweisen. Norwegen etwa liegt sowohl bei den Krankheitstagen als auch bei der Stundenproduktivität im europäischen Spitzenfeld. Deutschland bewegt sich in beiden Bereichen im Mittelfeld.

Im Gegensatz dazu schneiden Länder mit besonders niedrigen Fehlzeiten, wie Griechenland oder Ungarn, bei der Produktivität deutlich schwächer ab.

Die vollständige Studie mit interaktiven Auswertungen ist online verfügbar.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von ifb/Veröffentlicht am 11.03.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.