Mittelstand bleibt Kern der dualen Ausbildung

Der deutsche Mittelstand trägt auch weiterhin maßgeblich das duale Ausbildungssystem. Im Jahr 2024 absolvierten rund 1,1 Millionen Menschen ihre Ausbildung in kleinen und mittleren Unternehmen. Damit entfielen über 90 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse auf diesen Unternehmensbereich. Im Vergleich zu früheren Jahren hat sich die Bedeutung des Mittelstands sogar verstärkt: 2010 lag sein Anteil noch bei 84 Prozent und ist seither kontinuierlich gestiegen.

Diese Ergebnisse gehen aus einer Untersuchung von KfW Research zur Situation der dualen Ausbildung hervor. Insgesamt befanden sich 2024 etwa 1,2 Millionen Personen in einer dualen Ausbildung. Gegenüber 2010 entspricht das einem Rückgang von rund 19,3 Prozent. Als Hauptursachen gelten der demografische Wandel mit sinkenden Bewerberzahlen sowie die zunehmende Entscheidung junger Menschen für ein Studium.

Trotz seiner zentralen Rolle als Ausbildungsträger nimmt die Ausbildungsbeteiligung im Mittelstand seit einigen Jahren ab. Spätestens seit 2022 ist der Anteil der ausbildenden Unternehmen deutlich gesunken. Während zwischen 2010 und 2018 im Durchschnitt noch etwa zwölf Prozent der Betriebe mindestens einen Auszubildenden beschäftigten, waren es 2024 nur noch 9,1 Prozent. Zunächst hatte die Zurückhaltung vieler Unternehmen nach Beginn der Corona-Pandemie zu diesem Rückgang beigetragen. Hinzu kamen Belastungen durch steigende Energiepreise, hohe Inflation und eine angespannte konjunkturelle Lage. Gleichzeitig ist die Zahl der Auszubildenden nicht im gleichen Umfang gesunken, wodurch sich die Ausbildung zunehmend auf weniger, dafür weiterhin aktive Betriebe konzentriert.

Ein klarer Zusammenhang zeigt sich mit der Unternehmensgröße: Je größer der Betrieb, desto wahrscheinlicher ist es, dass ausgebildet wird. In Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten bilden lediglich rund drei Prozent aus. Bei Betrieben mit zehn bis 49 Mitarbeitenden liegt der Anteil bereits bei 42 Prozent, bei Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten sogar bei 72 Prozent.

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Die Studienautorin Kathrin Schmidt ordnet diese Entwicklung dahingehend ein, dass die duale Ausbildung für Unternehmen weiterhin ein zentraler Faktor zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses sei. Gleichzeitig zeigten die Daten, dass sich kleine und mittlere Betriebe zunehmend aus der Ausbildung zurückziehen. Um diesen Trend zu bremsen, seien gezielte Anreize und passgenaue Unterstützungsangebote notwendig, insbesondere in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Zudem sei es erforderlich, durch bildungspolitische Maßnahmen die Kompetenzen junger Menschen zu stärken, da viele Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen derzeit nicht die Mindestanforderungen für den mittleren Schulabschluss erfüllten. Förderprogramme, umfassende Beratung sowie vereinfachte bürokratische Prozesse könnten die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe langfristig erhöhen.

Im Ländervergleich weist Bremen den höchsten Anteil ausbildender Unternehmen auf. Zwischen 2021 und 2024 beschäftigten dort 19,1 Prozent der Betriebe mindestens einen Auszubildenden. Es folgen Schleswig-Holstein mit 14,1 Prozent und Niedersachsen mit 14,0 Prozent. Am unteren Ende der Skala liegen Berlin mit 8,3 Prozent, Brandenburg mit 7,7 Prozent und Hamburg mit 6,5 Prozent. Diese Unterschiede lassen sich teilweise durch die jeweilige Wirtschaftsstruktur erklären. In Stadtstaaten überwiegen Dienstleistungsunternehmen, die seltener ausbilden als etwa Betriebe des verarbeitenden Gewerbes oder des Bauwesens. In Ostdeutschland ist zudem der Anteil sehr kleiner Unternehmen höher.

Die Untersuchung basiert auf dem KfW-Mittelstandspanel, der einzigen repräsentativen Befragung des gesamten deutschen Mittelstands. An der Erhebung nahmen zwischen Februar und Juni 2025 mehr als 13.000 Unternehmen teil. Die vollständige Studie ist im Bereich „Fokus Volkswirtschaft“ der KfW abrufbar.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von KfW/Veröffentlicht am 22.12.2025