Bei langfristiger Altersvorsorge entscheidet nicht allein die Höhe der Einzahlungen über das spätere Kapital. Ebenso bedeutsam sind die Wertentwicklung der gewählten Anlagen, laufende Kosten und die Dauer der Ansparphase. Schon geringe Unterschiede bei diesen Faktoren können sich über mehrere Jahrzehnte auf das Ergebnis auswirken.
Mit dem geplanten Altersvorsorgedepot rückt die kapitalmarktbasierte Geldanlage stärker in den Mittelpunkt der geförderten privaten Altersvorsorge. Einzelne Renditeangaben reichen für die Beurteilung daher nicht aus. Kosten, Wertschwankungen und die Zusammensetzung der Anlage müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Kurzfassung
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Renditeangaben vergleichbar machen
Ein Renditevergleich ist nur aussagekräftig, wenn dieselben Voraussetzungen gelten. Eine jährliche Wertentwicklung von sechs Prozent lässt sich beispielsweise nicht unmittelbar mit einem anderen Wert vergleichen, wenn bei einem Angebot bereits Kosten abgezogen wurden und beim anderen nicht. Entscheidend ist daher, ob von Brutto- oder Nettorendite gesprochen wird.
Bei einem Renditevergleich von Altersvorsorgedepots sollten zunächst identische Einzahlungen und Laufzeiten angesetzt werden. Anschließend werden Kosten sowie unterschiedliche angenommene Wertentwicklungen berücksichtigt.
Auch die zeitliche Betrachtung verändert das Ergebnis. Ein Depot kann innerhalb eines Jahres einen hohen Wertzuwachs verzeichnen und im folgenden Jahr Verluste aufweisen. Bei einer Ansparphase von mehreren Jahrzehnten besitzt ein einzelnes Kalenderjahr deshalb nur begrenzte Aussagekraft.
Wertschwankungen hängen von der Anlageform ab
Das Altersvorsorgedepot soll Kapitalmarktanlagen stärker in die private Vorsorge einbeziehen. Zu den möglichen Anlageformen zählen börsengehandelte Indexfonds, die häufig einen bestimmten Index nachbilden und das Kapital auf mehrere Wertpapiere verteilen.
Die Zusammensetzung des Depots wirkt sich darauf aus, wie stark sein Wert schwanken kann. Ein hoher Aktienanteil ist mit größeren Kursschwankungen verbunden als eine Anlage, die stärker auf schwankungsärmere Bestandteile setzt. Eine höhere angenommene Rendite darf daher nicht getrennt vom eingegangenen Anlagerisiko betrachtet werden.
Auch innerhalb aktienorientierter Anlagen bestehen Unterschiede. Ein breit gestreuter Fonds kann Wertpapiere aus mehreren Ländern und Branchen enthalten, während enger ausgerichtete Fonds ihren Schwerpunkt auf bestimmte Märkte oder Wirtschaftszweige legen. Für Berechnungen über lange Zeiträume ist daher nicht allein die Bezeichnung der Anlage entscheidend, sondern deren tatsächliche Zusammensetzung.
Gebühren als Bestandteil der langfristigen Betrachtung
Bei einem Vorsorgedepot gehören Gebühren neben Einzahlungen, Laufzeit und Wertentwicklung zu den Faktoren, die in langfristige Berechnungen einfließen. Je nach Ausgestaltung können Kosten für das Depot, die enthaltenen Anlageprodukte oder einzelne Transaktionen entstehen. Entscheidend ist daher, welche Kostenarten anfallen und wie sie berechnet werden.
Für einen Vergleich verschiedener Varianten bietet sich eine einheitliche Berechnungsgrundlage an. Werden dieselbe Laufzeit, dieselben Einzahlungen und vergleichbare Annahmen zur Wertentwicklung verwendet, lässt sich nachvollziehen, welchen Anteil die jeweiligen Gebühren an der langfristigen Entwicklung haben.
Bei den kalkulatorischen Zinsen wird die Verzinsung von gebundenem Kapital rechnerisch berücksichtigt. Bei einem Vorsorgedepot steht hingegen die tatsächliche Entwicklung des investierten Kapitals im Mittelpunkt. Kosten werden dabei gemeinsam mit den übrigen Einflussgrößen betrachtet, um unterschiedliche Anlagevarianten unter vergleichbaren Voraussetzungen gegenüberzustellen.
Kostenarten getrennt erfassen
Eine einzige Prozentangabe bildet die tatsächliche Kostenbelastung nicht immer vollständig ab. Je nach Depot und Anlage können Depotentgelte, Produktkosten, Transaktionskosten oder einmalige Gebühren anfallen. Prozentuale und feste Beträge wirken zudem unterschiedlich.
Bei einem niedrigen Depotstand können feste Jahresgebühren gemessen am vorhandenen Kapital stärker ins Gewicht fallen. Prozentuale Gebühren steigen dagegen mit dem Depotwert. Beträgt die Verwaltungsgebühr beispielsweise jährlich 0,5 Prozent des verwalteten Vermögens, steigt der absolute Gebührenbetrag mit wachsendem Kapital.
Produktkosten von Fonds sind ebenfalls einzubeziehen. Bei einem Vergleich mehrerer Varianten müssen sämtliche bekannten Belastungen nach derselben Methode berücksichtigt werden. Andernfalls kann eine scheinbar höhere Rendite lediglich daraus entstehen, dass einzelne Kostenpositionen in der Berechnung fehlen.
Langfristige Berechnungen bleiben Modellrechnungen
Eine Renditeannahme von vier, fünf oder sechs Prozent ist keine Vorhersage. Kapitalmärkte entwickeln sich nicht jedes Jahr gleichmäßig. Tatsächliche Jahresergebnisse können oberhalb oder unterhalb eines langfristig angenommenen Durchschnittswerts liegen.
Berechnungen mit unterschiedlichen Renditeannahmen zeigen, wie stark das mögliche Endkapital je nach Kapitalmarktentwicklung variiert. Eine vorsichtige, eine mittlere und eine höhere Renditeannahme zeigen, wie empfindlich das spätere Kapital auf unterschiedliche Entwicklungen reagiert. Werden für sämtliche Varianten identische Einzahlungen, Zeiträume und Gebühren verwendet, bleiben die Ergebnisse miteinander vergleichbar.
Der Anlagehorizont gehört ebenfalls in die Betrachtung. Bei einer langen Ansparphase besteht mehr Zeit, zwischenzeitliche Kursschwankungen auszugleichen. Nähert sich die Auszahlungsphase, verändert sich dagegen die Bedeutung kurzfristiger Wertverluste, weil weniger Zeit bis zur geplanten Kapitalentnahme verbleibt.
Staatliche Förderung getrennt von der Anlagerendite betrachten
Beim geförderten Altersvorsorgedepot kommt zur Entwicklung der Kapitalanlage die staatliche Förderung hinzu. Sie erhöht das Kapital, das innerhalb des Depots angelegt werden kann. Für die Bewertung verschiedener Anlagevarianten sollte dieser Zufluss jedoch nicht mit der Rendite der Wertpapiere gleichgesetzt werden.
Eine Berechnung kann Eigenbeiträge, Förderbeträge, Anlageerträge und Kosten getrennt ausweisen. Erst anschließend lässt sich feststellen, wie sich das gesamte Depotvermögen über die angenommene Laufzeit entwickelt.
Diese Trennung verhindert zugleich missverständliche Prozentangaben. Ein hoher Vermögenszuwachs kann teilweise aus Förderbeträgen stammen, obwohl die zugrunde liegenden Wertpapiere eine wesentlich niedrigere Rendite erzielt haben.
Fazit
Beim Vergleich langfristiger Vorsorgedepots reicht die Betrachtung einer erwarteten Jahresrendite nicht aus. Anlagezusammensetzung, Schwankungen, Laufzeit und Gebühren bestimmen gemeinsam, welches Kapital sich bis zum Beginn der Auszahlungsphase entwickeln kann.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen laufende Kosten, weil sie nicht nur das aktuelle Depotvermögen reduzieren, sondern auch die weitere Kapitalentwicklung verändern. Mehrere Berechnungsszenarien mit identischen Ausgangswerten ermöglichen eine sachliche Gegenüberstellung. Auf diese Weise werden Renditeannahmen nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit Kosten, Risiko und Anlagedauer eingeordnet.