Studie warnt vor Überforderung studentischer Vertretungslehrkräfte

Eine erste bundesweite Untersuchung zum Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte macht deutlich, wie stark Lehramtsstudierende bereits heute zur Sicherung des Unterrichts beitragen. Gleichzeitig zeigt die Studie erhebliche Probleme auf: Viele übernehmen schon früh im Studium eigenverantwortlich Unterricht, werden dabei kaum begleitet und häufig fachfremd eingesetzt – sogar in wichtigen Kernfächern wie Deutsch und Mathematik.

Die Studie des Stifterverbandes mit dem Titel „Wenn Studierende Unterricht sichern“ untersucht Einsatz, Risiken und Perspektiven studentischer Vertretungslehrkräfte vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels. Der Stifterverband appelliert an Schulen, Hochschulen und Politik, gemeinsam verbindliche Qualitätsstandards und wirksame Unterstützungsstrukturen für Studierende zu schaffen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Lehramtsstudierende in großem Umfang Unterricht an Schulen absichern und damit akute Engpässe im System abfedern. Für die Studie wurden erstmals bundesweit Lehramtsstudierende an allen lehrkräftebildenden Hochschulen zu ihren Erfahrungen befragt. Dabei wurde deutlich, dass ihr Schuleinsatz oft unter schwierigen Bedingungen erfolgt. Fast alle Befragten, nämlich 95 Prozent, stehen allein vor der Klasse und unterrichten eigenständig. Trotz erheblicher zeitlicher Spannungen mit dem Studium bewerten die meisten ihre Praxiserfahrungen positiv und sehen darin sogar eine Motivation, ihr Studium erfolgreich abzuschließen.

Gleichzeitig offenbart die Untersuchung deutlichen Handlungsbedarf. So verfügen 40 Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte noch nicht über einen Bachelorabschluss, einige unterrichten bereits im ersten Studienjahr. Neun Prozent übernehmen besonders verantwortungsvolle Aufgaben, darunter Klassenleitungen oder Mitwirkungen bei Abschlussprüfungen. Dabei fehlt es oft an Unterstützung. Mehr als ein Drittel der eingesetzten Studierenden wird während ihrer Tätigkeit weder von der Schule noch von der Hochschule begleitet.

Besonders kritisch ist nach Einschätzung des Stifterverbandes der hohe Anteil fachfremden Unterrichts. Mehr als 90 Prozent der studentischen Vertretungslehrkräfte unterrichten mindestens ein Fach, das sie selbst nicht studieren. Das betrifft auch zentrale Unterrichtsfächer. Von denjenigen, die Deutsch unterrichten, studieren nur 57 Prozent dieses Fach. In Mathematik liegt dieser Anteil sogar nur bei 41 Prozent.

siehe auch   Mit dem Hans Weisser Stipendium neue Wege im Ausland gehen

Bereits im Januar 2023 hatte die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz Empfehlungen für den Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte ausgesprochen. Diese stimmen in weiten Teilen mit den Forderungen des Stifterverbandes überein. Vorgesehen war unter anderem ein Einsatz erst ab dem Masterstudium, kein fachfremder Unterricht, keine Übernahme von Klassenleitungen sowie eine verlässliche Betreuung und die bessere Vereinbarkeit mit dem Studium. Die aktuellen Ergebnisse legen jedoch nahe, dass diese Vorgaben vielerorts bislang nicht eingehalten werden.

Bettina Jorzik, Programmleiterin für Hochschullehre und Lehrkräftebildung im Stifterverband, erklärte, dass Schulen auf absehbare Zeit kaum auf studentische Vertretungslehrkräfte verzichten könnten. Solange jedoch Schulen, Hochschulen und Ministerien jeweils auf ihre begrenzten Ressourcen verwiesen und die Verantwortung auf andere schoben, werde sich an der Situation der Studierenden kaum etwas ändern. Künftig müssten Verantwortlichkeiten klar geregelt und von allen Beteiligten ernstgenommen werden.

Der Stifterverband formuliert deshalb konkrete Erwartungen an die verschiedenen Akteure. Hochschulen sollen die Begleitung aller studentischen Vertretungslehrkräfte sicherstellen, ähnlich wie bei den regulären Praxisphasen im Lehramtsstudium. Kultusministerien sollen verbindliche Regeln für den Schuleinsatz festlegen und deren Einhaltung kontrollieren. Schulen sollen die Einsätze studiengerecht organisieren und den Studierenden mindestens eine verlässlich erreichbare Ansprechperson zur Seite stellen. Wissenschaftsministerien sollen die finanziellen Voraussetzungen schaffen, damit Hochschulen ihre Betreuungsangebote entsprechend ausbauen können.

Mit der Studie will der Stifterverband nicht nur die aktuelle Lage sichtbar machen, sondern auch klare Zuständigkeiten für einen qualitätsgesicherten Einsatz studentischer Vertretungslehrkräfte benennen. Die Untersuchung entstand im Rahmen der Zukunftsmission Bildung, mit der der Verband auf ein Bildungssystem hinwirken will, das in einer sich wandelnden Welt mehr Menschen mit den notwendigen Kompetenzen aus- und weiterbildet.

siehe auch   Moderne Bildungsstätten müssen besser gefördert werden

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V./Veröffentlicht am 11.06.2026 und wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.