Mittelständische Familienunternehmen bilden gemeinhin das Rückgrat unserer Wirtschaft in Deutschland. Damit dieses Rückgrat erhalten bleibt, werden viele dieser Unternehmen innerhalb der Inhaberfamilie an die nächste Generation weitergegeben. Dies bietet eine reale Chance zur Modernisierung und Umstrukturieren, wie wir noch sehen werden.
Die Ergebnisse einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn ergaben, dass pro Jahr in Deutschland bei über 100.000 Familienunternehmen eine Übergabe ansteht. Betroffen sind somit jährlich rund drei Prozent aller Familienunternehmen. Etwa 54 % dieser Firmen werden intern an Familienmitglieder übergeben, 29 % weitere Betriebe kommen unter die Kontrolle externer Führungskräfte oder anderer Unternehmen. Bei 17 % soll der Betrieb an einen Mitarbeiter übertragen werden. Die meisten Fälle der Unternehmensübertragung gibt es in Nordrhein-Westfalen, dem wirtschaftsstärksten Bundesland. Zudem interessant: 84 % der Übergabefälle geschehen im Schnitt in Westdeutschland, nur rund 16 % in Ostdeutschland.
Welche Faktoren spielen bei der Unternehmensnachfolge eine Rolle?
Jede Unternehmensnachfolge ist mit anderen Modalitäten verbunden, weshalb bei Übergabesituationen insbesondere folgende Faktoren beachtet werden müssen:
- Handelt es sich um eine externe oder interne Nachfolge?
- Wie sieht der Übergabeplan aus?
- Wann ist der Übergabezeitpunkt?
- Wie sieht es mit der Unternehmensbewertung aus?
- Kommt eine Vendor-Due-Diligence-Prüfung ins Spiel?
- Wie sehen die Formalitäten aus, insbesondere die vertragliche Gestaltung und die Zahlungsbedingungen?
Unabhängig davon, ob es sich um eine interne oder externe Nachfolge handelt – der Nachfolger muss entsprechende Qualifikationen aufweisen, sowohl menschliche als auch fachliche, denn von seinen Führungsqualitäten hängt letztlich die Zukunft der Firma ab. Eine Firmenauflösung als Folge der Unternehmensübergabe mit entsprechenden Fehlentscheidungen wäre schließlich fatal. Heute gibt es viele Möglichkeiten, einen geeigneten Übernahmenachfolger zu finden, zum Beispiel:
- Unternehmensbörsen
- Unternehmernetzwerke und ‑organisationen
- Management-Buy-in Kandidaten oder Unternehmensnachfolger in sogenannten MBI-Pools
Unterstützung hierbei gibt es durch eine Unternehmensvermittlung, einen Businessbroker oder MBI-Berater. Von großem Nutzen ist die Ausarbeitung eines Übergabeplans. Da sich daraus die Unternehmensnachfolge ableiten lässt, lohnt es sich für den Verkäufer des Unternehmens, eine proaktive Vendor-Due-Diligence (VDD) im Sinne der Transaktionsvorbereitung durchführen zu lassen.
Im Falle einer internen Nachfolge, wenn die Firma also von der Familie des Unternehmers weitergeführt wird, hat die Auswertung einer geeigneten Führungskraft eine besondere Bedeutung. Hierbei kommt meist eine fachübergreifende Beurteilung samt psychologischer Aspekte zum Einsatz. Die angewandten Methoden sollten dann einen geeigneten Nachfolger erkennen lassen.
Wenn ein Management-Buyout-Kandidat oder externer Management-Buy-in-Kandidat die Unternehmensnachfolge übernehmen und die Firma zum Erfolg führen soll, spielen nicht nur professionelle und unternehmerische Kompetenzen eine Rolle, sondern auch die Eigenmittel, welche für die Finanzierung des Firmenkaufs und des Wachstums benötigt werden. Diese sind frühzeitig zu prüfen.
Tipp: Firmenbörsen als kompetente Vermittler
Kompetente und finanzstarke Unternehmer zu finden, die ein Unternehmen übernehmen wollen, wird immer schwieriger. Hilfreich bei der Unternehmensnachfolge können spezielle Firmenbörsen sein. Diese führen Käufer und Verkäufer zusammen und bieten üblicherweise auch sogenannte Beraterbörsen, wo Unterstützung beim Kauf oder Verkauf eines Unternehmens direkt angefordert werden kann. Durch ein solches Komplettangebot wird der Aufwand relativ gering gehalten.
Das Unternehmen im Rahmen der Übergabe modernisieren
Die Unternehmensnachfolge stellt in vielen Fällen auch einen idealen Zeitpunkt dar, um längst überfällige Modernisierungsmaßnahmen umzusetzen. Der Generationenwechsel oder die Übergabe an neue Führungskräfte eröffnet Spielräume für strategische Neuausrichtungen. Schließlich gilt: Bestehende Strukturen, Prozesse und Technologien, die sich über Jahre oder Jahrzehnte bewährt haben, sind nicht zwangsläufig auch heute noch zeitgemäß. Fast immer gibt es Verbesserungsmöglichkeiten, zum Beispiel:
- Digitalisierung interner Abläufe
- Einsatz neuer Produktionsverfahren
- Modernisierung der IT-Infrastruktur
- Ein zeitgemäßeres Marketingkonzept
Der Zeitpunkt der Übergabe ist der passende Moment, um solche Dinge zu ändern. Dadurch entstehen nicht nur Effizienz- und Wettbewerbsvorteile, es wird auch ein wichtiges Signal an Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner gesendet: Das Unternehmen ist zukunftsfähig und bereit für den nächsten Entwicklungsschritt!
Allerdings sollte die Modernisierung nicht vorschnell oder rein aus dem Wunsch heraus geschehen, Neues einzuführen. Besser ist es, gezielt dort anzusetzen, wo ein tatsächlicher Bedarf besteht und Potenziale gehoben werden können. Die Kunst liegt schließlich darin, das Bewährte nicht leichtfertig aufzugeben, sondern sinnvoll mit Innovationen zu verbinden.