Immer mehr Massenentlassungen in Industrieunternehmen

In immer mehr Industrieunternehmen sind Massenentlassungen an der Tagesordnung, während gleichzeitig ein anhaltender Fachkräftemangel die Wirtschaft belastet. Harald Müller, Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA), prognostiziert, dass diese scheinbar widersprüchliche Situation sich weiter verschärfen wird. Er führt die Deindustrialisierung Deutschlands sowie den steigenden internationalen Innovations-, Wettbewerbs- und Kostendruck als Gründe an. Unternehmen müssen laut ihm mit Rescaling reagieren, also mit einer strategischen Neuausrichtung ihres Personals auf allen Ebenen. Müller bemerkt, dass die meisten Personalabteilungen dafür nicht gut gerüstet sind, basierend auf zahlreichen Gesprächen und Projekten.

Beispielhaft für den Bedarf an Rescaling nennt Müller die Umstellung der Automobilindustrie auf E-Mobilität, was viele hochqualifizierte Fachkräfte arbeitslos werden lässt. Diese werden nicht umgeschult, sondern auf den Arbeitsmarkt entlassen. Müller warnt vor einem Kaufkraftverlust in Deutschland, da diese Fachkräfte Schwierigkeiten haben, ähnlich gut bezahlte Arbeit zu finden.

Auch in der Chemieindustrie steht Deutschland vor Herausforderungen, bedingt durch die Unsicherheit über die langfristige Verfügbarkeit bezahlbarer Energie für die Produktion im Land. Müller stellt fest, dass Investitionen vermehrt im Ausland getätigt werden und die Abwanderung der Chemieindustrie unaufhaltbar erscheint.

Der wachsende Wettbewerbs- und Kostendruck aus Osteuropa, China und den ASEAN-Staaten sowie das hohe Innovationstempo der US-Wirtschaft führen dazu, dass viele deutsche Unternehmen ihren Personalbestand radikal verkleinern, insbesondere im mittleren Management, so Müller.

Die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auf die Personalplanung sind noch unklar, doch Müller betont, dass Unternehmen aktiv Rescaling betreiben sollten, anstatt nur auf Massenentlassungen zu setzen.

Ein politischer Plan für den Strukturwandel sei unerlässlich, mahnt Müller, da Fachkräftemangel und Massenentlassungen eigenständige Probleme darstellen, die nicht durch einfache Maßnahmen ausgeglichen werden können.

Dieser Text basiert auf einer Pressemitteilung von BWA Akademie / Veröffentlicht am 21.03.2024